Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutz-Hinweisen.

Paludikultur - Schilf

Paludikultur – Schilf

Die Nutzung von Schilf hat eine lange Tradition und ist sehr vielseitig. Schilf kann vor allem als Baustoff zum Dachdecken, als Dämmmaterial und Brennstoff verwendet werden. Zunehmend wird Schilf auch als nachhaltige Quelle für Biogas, sowie für die Papierherstellung genutzt. In einigen Regionen wird Schilf zudem vielseitig in Kunst und Handwerk als Rohstoff für Körbe, Matten, Strohartikel und Dekorationen verwendet, da es sehr umweltfreundlich ist und regional produziert wird.

Schilf in Mecklenburg-Vorpommern

Ein sehr lokales Gewerbe ist das Reet- oder Rohrdachdeckerhandwerk, das sich insbesondere in küstennahen Gebieten etabliert hat. „Das Reetdachdecker-Handwerk wurde 2014 in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.“ (Quelle: Faktenpapier zu Rohrwerbung in Mecklenburg-Vorpommern, 10/2019)
In den letzten 30 Jahren ist der Schilfanbau in Mecklenburg-Vorpommern drastisch zurückgegangen. Bis 1989 wurden jährlich noch ca. 1,2 Mio. Bunde durch das VEB Meliorationskombinat Rostock geerntet. Heute wachsen auf ungefähr 575 Hektar Schilf (Stand 2022) und die derzeitige jährliche Erntemenge beträgt nur noch etwa 200.000 Bunde. Insgesamt sind ca. 14 Rohrwerber im Bundesland aktiv (Quelle: Universität Greifswald, 2023: Paludikultur in die Praxis bringen: Integration – Management – Anbau Paludi-PRIMA).

Die Zahl der Rohrwerbungs-Betriebe ist stark rückläufig. Die Ursache besteht vor allem in der fehlenden wirtschaftlichen Perspektive. „Damit droht eine jahrtausendealte Tradition in M-V zu erlöschen und das Know-How für die Bewirtschaftung nasser Moorflächen verloren zu gehen“ (Quelle: Faktenpapier zu Rohrwerbung in Mecklenburg-Vorpommern, 10/2019).

Rohrmahd-Flächen in Mecklenburg-Vorpommern (Quelle: Hirschelmann et al. Faktenpapier zu Rohrwerbung in Mecklenburg-Vorpommern, 10/2019):

  • Auf Vorpommerns Flusstalmooren (Peene, Recknitz)
  • Boddenbereiche (Ribnitzer See, Barther Bodden, Strelasund, Lieschower Wiek, Achterwasser)
  • Seeufer (Wreechener See, Lobber See)

Da Dachreet kaum noch regional produziert wird, ist Deutschland auf Importe angewiesen. Der vorhandene Bedarf wird durch Importe aus Süd- und Osteuropa sowie China gedeckt (Quelle: Faktenpapier zu Rohrwerbung in Mecklenburg-Vorpommern, 10/2019).

Auch wenn in Deutschland die Nachfrage an nachhaltigen Baustoffen wächst, werden jedoch 80-90 Prozent des Schilfs importiert.

Angesichts der zahlreichen Krisen ist es an der Zeit, in Mecklenburg-Vorpommern neue Wege zu gehen. Was wäre, wenn wir trockengelegte Moorflächen wiedervernässen und Schilf anbauen? Gleichzeitig könnten wir regionale, nachhaltige Wertschöpfungsketten im Land etablieren. Auf diese Weise würden unabhängige, nachhaltige Produkte entstehen – ganz ohne Importe.

Schilf ist eine der Paludikulturen, die sich hervorragend für nasse Moorböden eignet. Diese Pflanze wächst bevorzugt auf feuchten Böden, häufig entlang von Gewässern, an Ufern und in Feuchtgebieten. Schilf fühlt sich in sumpfigen, nassen Böden besonders wohl und kann sogar in dauerhaft stehenden Gewässern gedeihen. Es bevorzugt nährstoffreiche Böden, wächst jedoch auch in weniger fruchtbaren Böden und kann eine beeindruckende Höhe von bis zu 4 Metern erreichen.

Schilf wird als Dauerkultur angebaut und verbreitet sich über Rhizome. Diese dichten Wurzeln tragen zur Stabilisierung des Bodens bei, was insbesondere in Küstenschutzprojekten von großer Bedeutung ist. Das kräftige Wurzelsystem hilft, Erosion durch Wasser zu verhindern und den Boden zu stabilisieren. Schilfflächen können außerdem Wasser speichern und filtern, wodurch sie zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen. Zudem bietet Schilf vielen Tieren, wie Vögeln, Amphibien und Insekten, einen wertvollen Lebensraum. Dank seiner Fähigkeit, Nährstoffe und Schadstoffe aus dem Wasser zu filtern, wird es häufig in Systemen zur Wasseraufbereitung und in Kläranlagen eingesetzt. In sogenannten „Schilfklärbeeten“ wird es genutzt, um Abwasser zu reinigen und Schadstoffe wie Phosphor und Stickstoff zu binden.

Schilf leistet einen wichtigen Beitrag zur CO₂-Bindung, da es Kohlenstoff in seinem Wurzelsystem sowie im organischen Material des Bodens speichert. Diese Eigenschaft macht es zu einer bedeutenden Pflanze im Kampf gegen den Klimawandel, da es zur Reduzierung von Kohlenstoffemissionen beiträgt.

Schilf ist also eine vielseitige Pflanze mit einer wichtigen ökologischen und wirtschaftlichen Bedeutung, besonders in Feuchtgebieten und bei der nachhaltigen Landnutzung.

Vorteile der Schilfnutzung

Wiedervernässung von Mooren und Feuchtgebieten
Durch die Wiedervernässung und den Anbau von Schilf können Moore und Feuchtgebiete ihre ursprünglichen Funktionen zurückgewinnen. Schilf spielt eine zentrale Rolle bei der Wiederherstellung von naturnahen Ökosystemen.


Erhaltung von Ackerflächen
Schilf kann in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten als Teil der Renaturierung eingesetzt werden, um den Boden zu regenerieren und die landwirtschaftliche Nutzung im Einklang mit ökologischen Prinzipien zu ermöglichen.


Bodenstabilisierung und Erosionsschutz
Das dichte Wurzelsystem des Schilfs stabilisiert den Boden und schützt vor Erosion, insbesondere an Ufern und in Feuchtgebieten. Schilfflächen verhindern, dass Böden durch Wasserbewegung abgetragen werden.


Wasserfiltration und Nährstoffrückhalt
Schilf kann Nähr- und Schadstoffe wie Nährstoffe, Phosphor und Stickstoff aus dem Wasser filtern. Dadurch trägt es zur Verbesserung der Wasserqualität bei und hilft, Gewässer vor Überdüngung und Verschmutzung zu schützen.


Wasserretention und Hochwasserschutz
Schilfflächen können Wasser speichern und zur Regulierung des Wasserhaushalts beitragen. Sie tragen zur Minderung von Überschwemmungen bei, indem sie überschüssiges Wasser aufnehmen und langsam wieder abgeben.


Lebensraum für Biodiversität
Schilf bietet zahlreichen Tieren, wie Vögeln, Amphibien, Insekten und anderen Wildtieren, einen wertvollen Lebensraum. Es fördert die Biodiversität und stärkt die Ökosysteme in Feuchtgebieten.


Förderung von Feuchtgebieten
Der Anbau von Schilf auf wiedervernässten Moorflächen trägt dazu bei, Feuchtgebiete zu erhalten und wiederherzustellen, die wichtige ökologische Funktionen wie Wasserspeicherung und Klimaregulierung erfüllen.


Schutz der Wasserressourcen
Durch die Nutzung von Schilf in Feuchtgebieten wird die Qualität von Oberflächengewässern verbessert und die Menge an schädlichen Chemikalien in Gewässern verringert. Schilf trägt so zum Schutz der natürlichen Wasserressourcen bei.


CO₂-Bindung
Schilf bindet Kohlenstoff in seinem Wurzelsystem. Im nassen Boden werden die abgestorbenen Wurzeln langfristig erhalten und Kohlenstoff gespeichert. Dies hilft, CO₂ aus der Atmosphäre zu binden und trägt zur Minderung des Klimawandels bei.

>

Steckbrief Schilf

Allgemeine Fakten zu Schilf (Quelle: GMC – Moorwissen):

Mit seinen ein bis über vier Meter hohen Halmen ist Schilf eine ideale Pflanze für die Produktion von Biomasse in wiedervernässten Niedermooren. Schilf kann sowohl stofflich, als auch energetisch verwertet werden. Schilf ist ein wichtiger Torfbildner, so dass der Anbau von Schilf zu einem erneuten Moorwachstum führen kann.

Wasserstand: 0 –20 (40) cm über Flur (Wasserstufe: 5+/6+)
Etablierung: Pflanzung, Rhizomstecklinge oder Leghalme
Ertrag: 5–20 t Trockenmasse je Hektar und Jahr
Ernte: jährlich, erste Ernte nach 1–2 (3) Jahren
Verwertung: ökologische Baustoffe, Bioenergie
Emissionsminderung: ca. 18 t CO2-Äq. je Hektar und Jahr (im Vergleich zu nährstoffreichen, entwässertem Niedermooren, ohne Emissionsminderung durch Ersatz fossiler Rohstoffe).