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Paludikultur - Rohrkolben

Paludikultur – Rohrkolben

Lampenputzer, Kanonenputzer oder Schlotfeger wird der Rohrkolben umgangssprachlich genannt, die wissenschaftliche Bezeichnung lautet Typha.
Rohrkolben gehören zu den Paludikulturarten, die auf wiedervernässten Niedermooren mit hoher Nährstoffverfügbarkeit in feuchten, sumpfigen Gebieten, meist entlang von Gewässern wie Teichen, Flüssen und Seen gedeihen. Sie bevorzugen Schlamm- oder Torfböden, die reich an organischen Substanzen sind. Der Boden sollte leicht sauer bis neutral (pH 6 bis 7) sein. Rohrkolben benötigen konstante Wasserstände in Flur, können aber auch kurzfristig höhere Wasserstände vertragen.
Sie sind wie Schilf ausdauernde Pflanzen, die in Dauerkulturen wachsen.

Anbau
Rohrkolben vertragen schwankende Wasserstände mit einem Überstau von bis zu 1,5 Meter über Flur. Für den Anbau eignet sich die Pflanzung sowie die Aussaat. Ein Typhabestand kann nach einer Wiedervernässung durch natürliche Sukzession entstehen. Der Erntezeitpunkt ist meist im Winter, je nach Verwendung.

Verwertung von Rohrkolben
Die oberirdische Biomasse von Rohrkolben eignet sich hervorragend für Dämmmaterial, als Einblasdämmung oder als Baustoff für Baudämmplätten. Das luftgefüllte Gewebe ist dafür besonders vorteilhaft. Dämmstoffe aus Rohrkolben erreichen deshalb sehr gute Dämmwerte. Rohrkolben-Dämmplatten können auch aufgrund Ihrer Festigkeit tragende Funktionen übernehmen. Rohrkolbensamen werden auch als Füllmaterial in Textilien als Ersatz von Daunenfedern genutzt. Des Weiteren kann die Pflanze zur natürlichen Wasserklärung in künstlichen Feuchtgebieten verwendet werden. Darüber hinaus können Rohrkolben für die energetische Verwertung genutzt werden, wie zum Beispiel:

  • Verbrennung,
  • Biogas 
  • Einblasdämmstoffe
  • Dämmstoffplatte
  • Herstellung anderer Baustoffe
  • Nahrungsmittel
  • Gartenbausubstrat
  • Zuschlag für Lehmputz
  • Energetische Nutzung

 

Eigenschaften der Pflanze

  • Leicht, formstabil, druckresistent
  • Sehr gut dämmend
  • Guter Brand-, Schall- und Wärmeschutz
  • Witterungsbeständig, schimmelresistent (hoher Gerbstoffanteil)
  • Relativ diffusionsoffen
  • Hohe, statische Belastbarkeit als Typhaplatten / Typhaboard

Rohrkolben bietet nachweislich zahlreiche ökologische und bautechnische Vorteile. Dennoch wird das vielseitige Naturmaterial bislang nur selten im Bauwesen genutzt. Beispiele wie die Sanierung eines Fachwerkhauses in Nürnberg, das Bora Hot Spa Resort in Radolfzell oder das innovative Typhahaus auf der EXPO 2015 in Mailand zeigen jedoch eindrucksvoll das Potenzial dieses Werkstoffs. Der breiteren Anwendung steht derzeit vor allem die noch ausstehende bauaufsichtliche Zulassung im Weg – ein Schritt, der künftig neue Möglichkeiten eröffnen wird.

Stand der Umsetzung (Quelle: GMC):
Ein flächendeckender Rohrkolbenanbau steckt noch in den Anfängen. Erste Erfahrungen wurden im Donaumoos auf ca. 6 Hektar im Rahmen des DBU-Projekts „Rohrkolbenanbau in Niedermooren“ gesammelt. Bislang stammt die für ökologische Baustoffe genutzte Biomasse vorwiegend aus dem Donaudelta und dem Senegal. In Deutschland und den Niederlanden laufen derzeit Anbau- und Forschungsversuche. International gewinnt Rohrkolben an Bedeutung: In Manitoba (Kanada) werden Bestände im Einzugsgebiet des Winnipegsees geerntet, um Nährstoffe zu binden und Biomasse für die Bioökonomie zu liefern.
Auch gibt es Unternehmen, die sich auf die Verwertung von Rohrkolben-Biomasse spezialisiert haben. So stellt beispielsweise BioPuff in Großbritannien Kissen und Jacken aus der Biomasse her. Die Biomasse stammt aus Mecklenburg-Vorpommern.

Weitere Infos

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Steckbrief Typha

Allgemeine Fakten zu Rohrkolben (Quelle: GMC – Moorwissen):

Wasserstand: 0 –40 cm über Flur (Wasserstufe: 5+/6+)
Etablierung: Saat oder Pflanzung
Ertrag: 5–20 t Trockenmasse je Hektar und Jahr
Ernte: jährlich; erste Ernte nach 1–2 Jahren
Verwertung: ökologische Baustoffe, Textilien, Substrat, Bioenergie
Emissionsminderung: ca. 18 t CO2-Äq. je Hektar und Jahr (im Vergleich zu nährstoffreichen, entwässertem Niedermooren, ohne Emissionsminderung durch Ersatz fossiler Rohstoffe).